Neustart Amerika
Reichlich Zeit ist vergangen seit dem letzten “7Q2″ Eintrag, meinem “Interview mit einer Hure” das mir so komische Suchbegriffe beschert haben.. ich kann euch sagen. Aber das Warten hat ein Ende. In den Weiten des Internets bin ich auf zwei Auswanderer gestoßen, die eigentlich ins Bild von “Goodbye Deutschland” passen würden. Aber dennoch haben sie weder darüber nachgedacht noch sich damit beschäftigt per TV Kamera auszuwandern. In die eigene Hand wurde also das Unternehmen “leave the land” genommen, ohne Show, mit ganz normalen Hindernissen. Und wie es dazu kam, was gerade ist und wie es kommen wird, das haben mir die beiden in einer kleinen Befragung verraten.
1. Wo und wie lebt ihr gerade?
Wir leben in Chandler, eine Stadt in der Nähe von Phoenix im Bundesstaat Arizona im Süd-Westen der USA (früherer Wilder Westen). Wir haben uns in einer wunderschönen Anlage ein 2 Bedroom Apartment gemietet. (In Deutschland würde man 3 Zimmer, Küche und 2 Bäder sagen.) Die Anlage ist Gated (Zutritt nur für Anwohner) und hat zwei sehr schöne Pools und ein Fitness Studio.
2.Warum gerade die USA?
Patricias Schwester lebt seit 17 Jahren hier in Chandler und so hatten wir durch unsere Urlaubsaufenthalte die Möglichkeit die Gegend und die Leute kennen zu lernen, bis wir uns 2005 entschlossen Deutschland den Rücken zu kehren. Hier in Arizona haben wir eine Lebensqualität, die uns Deutschland nie geben kann. (weniger Stress und Hektik, immer schönes Wetter. 330 Sonnentage im Jahr.) Wir arbeiten und leben dort, wovon andere träumen. Jeden Tag blauer Himmel und Palmen. Nach dem arbeiten entspannt man sich am Pool oder bei einem guten Essen. (geht in Deutschland nicht. Kein Pool und die Restaurants zu teuer.)
3. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen, wie waren die Beweggründe?
Für Patricia war es in erster Linie das Wetter. Für mich war es das das nicht mehr funktionierende System. Die Großen in Berlin stopfen sich ganz ungeniert die Taschen voll und der kleine Mann auf der Strasse weiß nicht, wie er das Geld für die nächste Miete zusammen bringen soll. Ich habe keine Hemmungen zu sagen, dass die Politiker in meinen Augen keine Volksvertreter sondern Volksverbrecher sind. Würde ich das gleiche machen wie die, würde man mich einsperren. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen kommt in mir die Wut hoch wenn ich nur an die Benzinpreise in Deutschland denke. In Deutschland ist alles vollkommen überteuert. Früher gab es mal das sogenannte Wuchergesetz. Das haben die Politiker schlauerweise mit Einführung des Euros abgeschafft, sonst hätten sie sich selber ins Knie geschossen. Patricia hatte einen eigenen Friseurladen und ich war in einer sehr guten Position in Deutschland angestellt. Es ging uns also verhältnismäßig gut, aber wir haben nicht eingesehen dass wir für die Faulenzer und Schmarotzer von denen es leider viel zu viele in Deutschland gibt, zum arbeiten gehen sollen. Ich möchte nicht diejenigen die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht arbeiten können angreifen, sondern die, die sich daheim einen schönen Tag machen und den deutschen Staat aussaugen wie einen Schwamm. Hier gehört der Hebel angesetzt, aber hier versagen unsere sogenannten Volksvertreter.
4. Kann man die Auswandershows mit dem “real life” vergleichen? Wo liegen die möglichen Fallen?
Die Auswandershows haben nichts mit dem „real life“ zu tun. Wir haben diese Shows angeschaut als wir noch in Deutschland waren und uns doch sehr gewundert, mit welcher „Blauäugigkeit“ manche Leute auswandern. Viele haben wenig oder gar keine Ersparnisse. Viele haben keine Sprachkenntnisse und denken, sie kommen damit zurecht. Sie werden mit Sicherheit scheitern. Es gehört eine sehr gute Vorbereitung zu diesem Schritt. Wir haben uns 2 Jahre auf unsere Auswanderung vorbereitet und nur deswegen hat alles so gut geklappt.
5. Ist das Leben leichter in den Staaten und warum?
Das Leben ist nicht leichter sondern in vielen Dingen einfacher. Zum einen gibt es hier nicht diese Abzocke wie in Deutschland und zum anderen denken die Menschen hier nicht so kompliziert wie die Deutschen. Gehe ich in Deutschland für 100 Euro einkaufen muss ich die Waren im Einkaufskorb suchen.
Gehe ich hier für 100 Dollar einkaufen, muss ich zweimal laufen um das Auto auszuladen. Geschenkt wird einem auch hier nichts. Man muss sich alles hart erarbeiten, aber hier wird Leistung und Fleiß belohnt, wie man an meiner beruflichen Kariere sehen kann. Auch bei Patricia ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Manager ist. Die Vorzeichen von Seiten Ihrer Firma deuten darauf hin. Wenn wir von den Staaten reden meinen wir natürlich immer Arizona und in der Hauptsache die Gegend in der wir leben. In anderen Staaten der USA kann alles ganz anders sein.
6. Wie ist euer Blick nach fast einem Jahr auf Deutschland, anders als vor eurem Weggang?
Wir haben unseren Schritt bis heute nicht bereut und würden es jederzeit wieder machen. Wie gesagt. Gute Vorbereitung ist alles. Wenn wir lesen oder hören was im Moment in Deutschland mit den Preisen passiert, können wir nur den Kopf schütteln. Hier bestätigt sich was ich in letzter Zeit immer wieder gesagt habe: „Deutschland ist ein Kartenhaus was zusammenfallen wird und ich möchte nicht darunter stehen.“
7. Was soll die Zukunft bringen? Ein Schritt auf Zeit oder das Leben für immer?
Wir können uns aus heutiger Sicht nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurück zu kehren, außer im Urlaub. Nächste Woche werden wir uns die ersten Häuser die zum Verkauf angeboten werden, anschauen.
Reinhardt und Patricia dokumentieren ihr Leben in Chandler/Arizona natürlich zeitgemäß auch im Internet ( Patricias Blog und die Familienseite). Die beiden zeigen uns den guten Weg, Abseits der Kameras und haben mir persönlich mal einen Einblick zwischen die beiden Shows “Goodbye Deutschland” und “Die Rückkehrer” gegeben. Leider bringt das Fernsehen nur die “Quotenbringer”. Also alle denen es leicht gelingt und auch nur bis sie wirklich angekommen sind. Durch Blog und Familienseite kann man nun auch verfolgen, was der Alltag bringt und das man auch in den Staaten arbeiten muss um Geld zu verdienen.
Ich hätte den beiden auch noch 20 Fragen stellen können. Manchmal ärgert mich das schon das meine Kategorie “seven questions to” heißt, aber besser kurz und knackig, als lang[weilig]. Die Schikos freuen sich natürlich auch auf ein volles Gästebuch.
Kurze Hintergrundfakten: Im Jahr 2007 haben 165.000 Menschen die Bundesrepublik verlassen, sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Motiv ist häufig fehlende Arbeit. Klar vorn in der Zielsuche sind die Schweiz (20.000), die USA (14.000) sowie Polen und Österreich (je 10.000).

Montag, 26. Mai 2008 21:27
Hallo nach Deutschland.
Ich freue mich sehr über den Artikel in einem sehr interessanten Blog. Ganz nebenbei gesagt, ich hätte auch 100 Fragen beantwortet. Vielleicht konnte ich mit meinen Antworten ein wenig dazu beitragen, Menschen die eigentlich gar nicht auswandern, sondern nur vor irgendwelchen Problemen davon laufen wollen, von ihrem Vorhaben abzuhalten. Ich wünsche jedenfalls allen die es machen alles Gute und sende viele Grüße aus Arizona nach Deutschland.
Montag, 26. Mai 2008 21:29
Danke.
Dienstag, 27. Mai 2008 9:23
Sehr schönes Interview. Solltest du öfters machen..
Dienstag, 27. Mai 2008 11:58
Danke, das habe ich vor. Leider kriegt man weniger positive Antworten auf Anfragen als man denkt. Auf 10 Anfragen kommt nur eine die positiv ist,leider. Ich denke viele denken ich will sie veräppeln,keine Ahnung. Aber ich geb nicht auf. Ich will ja auch nicht die Welt interviewen, sondern “Persönlichkeiten”.
Samstag, 31. Mai 2008 18:37
Hallo Twister,
ich bin mal wieder auf Deinem sehr interessanten Blog und habe den Link “Kurze Hintergrundfakten” abgeschaut. Dort wird geschrieben, dass unter anderem sehr viele Ausländer nach Deutschland ziehen. Wie hat Frau Merkel gesagt??? “Alle sind herzlich willkommen.” Sie muß ja auch die Kosten nicht tragen. Die trägt der kleine Bürger auf der Strasse. Ich bin wie gesagt nicht Ausländerfeindlich, da ich selber hier in der USA ein Ausländer bin, aber ich habe etwas gegen die Leute, die sich in Deutschland einen schönen Lebensabend auf Kosten der Deutschen machen, ohne auch nur einen eizigen Cent in die deutschen Kassen bezahlt zu haben. Hier in Arizona gibt es ein ähnliches Problem mit den illegalen Mexikanischen Einwanderern. Hier wird allerdings kein großer Verwaltungsaufwand – der eine unmenge Geld kostet und am Ende doch nichts bringt – gemacht, sondern die Leute werden in Autos verladen und auf dem kürzesten Weg wieder über die Grenze nach Mexico gebracht. Auch hier gibt es eine menge Illegaler Einwanderer, doch hier bekommen sie kein Geld oder sonstige Unterstützung vom Staat. Sollte sie jemand illegal beschäftigen, bekommt dieser eine so hohe Geldstrafe, dass es sein Geschäft ruinieren würde. Also was ich sagen will ist, dass es überall auf der Welt Zuwanderer gibt, aber nirgendwo geht es ihnen so gut wie in Deutschland. Ich habe mich auch hier in der USA mit vielen Deutschen unterhalten und sie natürlich nach den Beweggründen ihrer Auswanderung gefragt. Durch die Mank weg ALLE haben den gleichen Grund gehabt wie Patricia und ich. Wir wollen arbeiten aber nur für uns und nicht für die anderen Schmarotzer die keine Lust dazu haben und sich vom Deutschen Staat ihr schönes Leben finanzieren lassen. Viele Grüße, Reinhard
Samstag, 31. Mai 2008 18:37
es soll natürlich angeschaut und nicht abgeschaut heißen.