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7Q2: Jürgen Schmidt about x-Mas

Dienstag, 22. Dezember 2009 10:41

Jürgen Schmidt, 1966 geboren und nach der Schule erst eine Karriere als Banker angestrebt bevor er zur Theologie wechselte. Nach 7 Jahren in Peru als Lehrer an einer Indianerschule verfasste er ein Buch über seine Zeit in Südamerika und hat passend zur Jahreszeit sein zweites Buch bei Dooks on Demand “Weihnachten ohne Jesus” veröffentlicht.

1. Begonnen im Bundesliga-Kapitalismus Bankbusiness, wieso kam der Wandel vom Bankkaufmann zum Streetworker?
Der Wandel kam einerseits durch eine Lebenswende, als ich 1987 eine bewusste Entscheidung traf, Jesus Christus nachzufolgen. Allerdings erfolgte der Weggang vom Bankgeschäft nicht ganz freiwillig. Ich war gerne Banker, vor allem gerne Berater. Allerdings gab es Anfang der 90er Jahre bei der Großbank, bei der ich tätig war, eine starke Veränderung vom Berater zum Verkäufer, mit Zielvorgaben und all den Sachen. Ich verkaufe gerne, wenn das Produkt gut ist… Nun, ich wollte raus aus dem Verkauf und es kam das Gespräch auf meine Motive. Man bewunderte  zwar meine Ideale, meinte aber, es wäre besser, wenn ich mir einen anderen Job suchen würde…  Rückblickend gesehen war es das Beste, was mir passieren konnte!

2. 1998 nach Peru ausgewandert. Wieso ausgerechnet Peru? Und wie kamst du an die Indianerschule?
Im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung absolvierte ich eine theologische Ausbildung an einer freien Fachschule für Theologie und Mission. Eigentlich dachte ich nie daran, selbst Missionar zu werden, sondern hier in Deutschland zu arbeiten. Während der Ausbildung kam ich aber mit mehreren Missionswerken in Kontakt, die Bibelschullehrer in anderen Ländern suchten. Das sprach mich an. Peru war eigentlich gar nicht im Blick und mit Urwaldindianern konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Wir selbst hätten uns vermutlich Afrika ausgesucht. Da wir davon überzeugt sind, dass Gott ein lebendiger Gott ist, der auch heute noch redet, suchten meine Frau und ich einfach im Gebet Gottes Führung und kamen so nach Peru in die Bibelschularbeit unter Indianern.

3. Bibelschulung für Amerikas Ureinwohner? Der Kreuzzug im 21. Jahrhundert?

Das glaube ich nicht! Wer so denkt, sollte am Besten die Indianer und die Indianerkirchen selbst fragen, wie sie darüber denken. Mein Anliegen ist es, dass Indianer in ihrer kulturellen Identität gestärkt werden und selbständige Indianerkirchen aufbauen. Daher betrachte ich die Ausbildung einheimischer Pastoren als beste Investition, um dieses Ziel zu erreichen. Außerdem ist der Glaube immer eine freiwillige Angelegenheit, denn sonst ist er nicht echt, sondern nur aufgesetzt. Und so ein Fundament kann nicht tragen, bzw. führt zu Synkretismus (wofür es leider viele Negativbeispiele in der Kirchengeschichte gibt). Wir sollen und können Menschen nicht “christianisieren”, aber aufgrund von Jesu Auftrag sollen wir ihnen das Evangelium verkündigen und ihnen die Entscheidung überlassen, ob sie es annehmen wollen oder nicht.
Wer mehr über die Evangelischen Indianerkirchen im peruanischen Amazonasgebiet wissen möchte, der kann ja mal auf die Seite des Dachverbandes der Indianerkirchen www.faienap.org schauen und sich informieren. Eine direkte Kontaktaufnahme ist natürlich jederzeit auch möglich.

4. Wieso die Wiederkehr nach Deutschland nach 7 Jahren?
Das hatte vor allem mit unserer persönlichen Situation zu tun, denn meine Frau und ich standen kurz vor einem Burnout, und es war erforderlich die Notbremse zu ziehen. Allerdings sind wir immer noch sehr mit Peru verbunden und ich arbeite (auf ausdrücklichen Wunsch der Indianer) weiterhin für den Dachverband der Indianerkirchen.

5. Wie bewertest du das “Weihnachtsgeschäft” und wie die Menschen es feiern als Theologe?  A) Egal hauptsache die Leute feiern das Fest und gehen mal in die Kirche oder B) Nein, das gefällt mir nicht. Weniger feiern aka Öffentlichkeit wäre mir lieber, wenn sie dafür mehr im Sinne des Weihnachtsfestes wäre
Grundsätzlich verstehe ich, dass die Einnahmen des Einzelhandels stark vom Weihnachtsgeschäft abhängen und man in dieser Zeit natürlich versucht möglichst viel Umsatz zu machen. Und ein Fest, an dem man sich beschenkt und auf diese Weise bewusst Zuneigung und Liebe ausdrücken kann, ist sicherlich etwas sehr Gutes. Ich finde aber es reicht vollkommen aus, erst am 1. Advent mit dem Weihnachtsgeschäft zu beginnen. Brauchen wir denn wirklich schon Ende September erste Weihnachtsleckereien???
Was ich an der ganzen Sache aber voll krass finde, ist, dass der Ursprung und eigentliche Grund, warum Weihnachten gefeiert wird, dabei schlichtweg auf der Strecke bleibt. Man feiert eigentlich ein “Geburtstagsfest”, das Geburtstagskind ist aber (in vielen Fällen) nicht dazu eingeladen! Weihnachten ist natürlich eine sehr gute Gelegenheit, um überhaupt darüber nachzudenken, wie es um das Verhältnis des Einzelnen zu Gott bestellt ist. Mit einem Kirchenbesuch ist es aber sicher nicht getan, denn Gott möchte unser Leben von Grund auf verändern und auf den Kopf stellen!

Man feiert eigentlich ein “Geburtstagsfest”, das Geburtstagskind ist aber (in vielen Fällen) nicht dazu eingeladen!

6. 3 Dinge du du an Weihnachten ändern würdest?
Erstens: Die Kirchen sollten sich bei den Weihnachtsmärkten und in den Einkaufsstraßen mehr um die aktive Verbreitung des Evangeliums bemühen. Leider ist da alles andere präsent, aber nicht die Kirchen. Und wenn die Kirchen präsent sind, dann verkaufen sie meist irgendetwas um Einnahmen zu erzielen, anstatt die beste Nachricht aller Zeiten unter die Leute zu bringen.
Zweitens: Die Kirchen sollten die Chance nutzen, dass an Weihnachten auch viele Menschen die Gottesdienste besuchen, die sonst das ganze Jahr über nicht kommen. Dabei sollten sie das Evangelium klar und auf eine für die heutigen Menschen verständliche Sprache verkündigen. Es geht da ja nicht nur darum, was vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen ist, sondern vor allem auch darum zu vermitteln, was das mit uns heute zu tun hat. Ich sehe hier leider ein großes Defizit und Versäumnis der Kirchen.
Drittens: Jeder sollte die Freiheit haben und sich die Freiheit nehmen Weihnachten zu feiern oder auch nicht. Ich würde mir wünschen, dass man oder Frau weniger im Strom der Tradition mitschwimmt. Es ist ehrlicher Weihnachten ausfallen zu lassen, als eine gute Tradition ihres Ursprungs und Sinns zu entleeren und zu einer überkommenen Tradition verkommen zu lassen.

7. Hat die Kirche den Weihnachtsmann schon adoptiert? Ist ja eine Coca Cola Erfindung!
Ich befürchte, dass das zumindest teilweise schon geschehen ist, wenn auch eher unbewusst.

Bücher bei BOD
Weihnachten ohne Jesus | Begegnungen in Peru

*Das Interview ist keine Wertung oder Werbung für oder gegen die evangelische Kirche. Es spiegelt lediglich eine Meinung eines Einzelnen wider.

Thema: Fragen & Zitate | | Kommentare (0) | Autor: twister

Wir dürfens -gezeichnet BRD-

Montag, 25. August 2008 12:43

Tja, da wird das sich so langsam schließende Sommerloch mal nicht mit einschlafenden Busfahrern, beißenden Hunden, der Vogelgrippe oder anderen Krankheiten gestopft sondern mit dem deutschen derzeit liebsten Thema dem Datenschutz. Ich habe schon so oft über die VDS (Vorratsdatenspeicherung) geschrieben das der Begriff schon zu groß für meine Tag-Wolke am rechten Bildrand geworden ist. Das Jahr ist 8 Monate alt und noch müssen wir bis zu 4 Monaten warten bis die obersten Richter das Urteil Für oder Gegen die Vorratsdatenspeicherung der Bundesrepublik entscheiden. Und während wir auf die Entscheidung des obersten deutschen Gremiums warten, entfalten sich die kriminellen Strukturen der Call Center Mafia,die deutsche Verbraucherzentrale kauft eben mal 6.000.000 Daten auf CD, Recherchezeit 2 Tage (nach eigener Auskunft) und sogar in Viersen klaut man schon Daten. Tun die Unternehmen also das was die Bundesregierung noch vor hat? Klar, Kritiker springen auf und verfluchen mich mal wieder. Die Bundesregierung veranlasst die Provider zur Speicherung um die Welt zu retten, Terrorismus zu bekämpfen und den nichts ahnenden Bürger zu schützen. Anders sehe das nicht nur ich, sondern auch Constanze Kurz in einem Video auf zeit.de. Die Dipl. Informatikerin ist neben ihrer Tätigkeit an der TU Berlin auch Pressesprecherin des CCC.

Aber auf was ich eigentlich hinaus will, ist nicht die neuerliche Debatte ob wir nun alle erstmal unter Generalverdacht geraten und daher mit jedem Schritt den wir tun gespeichert und verfolgt werden müssen, sondern die Überschrift bei golem.de. Ein sinngemäßer Wortlaut unseres Innenministers Herrn Schäuble  “Private Daten beim Staat sicher“. Diese Überschrift und Aussage erinnert mich an zwei geschichtliche Zitate anderer Politiker. Norbert Blüm “Die Renten sind sicher!” und anderer Staat,andere Zeit Walter Ulbricht “Niemand will eine Mauer bauen!”. Ich gebe zu das zweite Zitat kommt vom Wortlaut des Herrn Schäuble nicht ganz mit, aber es erinnert mich auch irgendwie daran das sich Politiker auf eine Bühne stellen und einen Satz sagen, der unmöglich wahr sein kann! Und obwohl ich bei dem Bild Interview mit Schäuble nicht dabei war, ich könnte fast wetten er ist nicht mal rot geworden. Denn ich weiß jetzt schon wie er sich wieder rauswindet aus seinem Interview.

Die Verantwortlichen und Experten von Bund und Ländern müssen jetzt gemeinsam das Ganze gründlich analysieren und überlegen, wie wir dem Datenklau im privaten Bereich das Handwerk legen können.

Das ein Zitat aus dem Interview. Er will also den Datenklau im privaten Bereich das Handwerk legen? Meinte er damit private Daten oder private Unternehmen die es durchführen? Ich würde hier zweites interpretieren, denn was sind Daten denn sonst wenn nicht privat? Ich glaub wie es gemeint war, weiß nur Herr Schäuble. Der übrigens auch in dem Interview gesagt hat (Zitat):

Es sind eine Menge Ideen und Vorschläge auf dem Markt. Ich selbst bin skeptisch, ob wir neue Gesetze brauchen. …

Er ist also skeptisch.. Ja klar, würden jetzt neue Gesetze zum Datenschutz beschlossen werden, dann würde er sich selbst lächerlich machen. Denn die VDS und die Onlinedurchsuchungen die er im Notfall und im Sinne der nationalen Sicherheit nicht ausschließen bzw. beschließen will, sind alles andere als Datenschutz und mit Sicherheit kein Vorbild für die Personen die das jetzt schon betreiben. Ich stelle mir vor wie es wäre wenn das vor Gericht verhandelt wird, was sagt ein Richter wenn der Kriminelle auf die Frage warum er sich nicht schuldig bekenne antwortet “Warum soll ich Kriminell sein, wenn ich das tue was der Staat tun möchte?”. Zur Erinnerung vor dem Gesetz, so steht es im Selbigen, sind wir alle gleich. Will der Staat also den Datenklau aus moralisch-kriminellen Punkten verbieten oder aus kommerziell-kriminellen? Oder doch zum Schutz der Bürger? Dann müsste die VDS überprüft werden, denn auf den Servern der Provider sind sie nicht sicherer als anderswo.

Thema: web|wab|wumbel | | Kommentare (0) | Autor: twister

Neustart Amerika

Montag, 26. Mai 2008 20:31

Reichlich Zeit ist vergangen seit dem letzten “7Q2″ Eintrag, meinem “Interview mit einer Hure” das mir so komische Suchbegriffe beschert haben.. ich kann euch sagen. Aber das Warten hat ein Ende. In den Weiten des Internets bin ich auf zwei Auswanderer gestoßen, die eigentlich ins Bild von “Goodbye Deutschland” passen würden. Aber dennoch haben sie weder darüber nachgedacht noch sich damit beschäftigt per TV Kamera auszuwandern. In die eigene Hand wurde also das Unternehmen “leave the land” genommen, ohne Show, mit ganz normalen Hindernissen. Und wie es dazu kam, was gerade ist und wie es kommen wird, das haben mir die beiden in einer kleinen Befragung verraten.

1. Wo und wie lebt ihr gerade?
Wir leben in Chandler, eine Stadt in der Nähe von Phoenix im Bundesstaat Arizona im Süd-Westen der USA (früherer Wilder Westen). Wir haben uns in einer wunderschönen Anlage ein 2 Bedroom Apartment gemietet. (In Deutschland würde man 3 Zimmer, Küche und 2 Bäder sagen.) Die Anlage ist Gated (Zutritt nur für Anwohner) und hat zwei sehr schöne Pools und ein Fitness Studio.

2.Warum gerade die USA?
Patricias Schwester lebt seit 17 Jahren hier in Chandler und so hatten wir durch unsere Urlaubsaufenthalte die Möglichkeit die Gegend und die Leute kennen zu lernen, bis wir uns 2005 entschlossen Deutschland den Rücken zu kehren. Hier in Arizona haben wir eine Lebensqualität, die uns Deutschland nie geben kann. (weniger Stress und Hektik, immer schönes Wetter. 330 Sonnentage im Jahr.) Wir arbeiten und leben dort, wovon andere träumen. Jeden Tag blauer Himmel und Palmen. Nach dem arbeiten entspannt man sich am Pool oder bei einem guten Essen. (geht in Deutschland nicht. Kein Pool und die Restaurants zu teuer.)

3. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen, wie waren die Beweggründe?
Für Patricia war es in erster Linie das Wetter. Für mich war es das das nicht mehr funktionierende System. Die Großen in Berlin stopfen sich ganz ungeniert die Taschen voll und der kleine Mann auf der Strasse weiß nicht, wie er das Geld für die nächste Miete zusammen bringen soll. Ich habe keine Hemmungen zu sagen, dass die Politiker in meinen Augen keine Volksvertreter sondern Volksverbrecher sind. Würde ich das gleiche machen wie die, würde man mich einsperren. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen kommt in mir die Wut hoch wenn ich nur an die Benzinpreise in Deutschland denke. In Deutschland ist alles vollkommen überteuert. Früher gab es mal das sogenannte Wuchergesetz. Das haben die Politiker schlauerweise mit Einführung des Euros abgeschafft, sonst hätten sie sich selber ins Knie geschossen. Patricia hatte einen eigenen Friseurladen und ich war in einer sehr guten Position in Deutschland angestellt. Es ging uns also verhältnismäßig gut, aber wir haben nicht eingesehen dass wir für die Faulenzer und Schmarotzer von denen es leider viel zu viele in Deutschland gibt, zum arbeiten gehen sollen. Ich möchte nicht diejenigen die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht arbeiten können angreifen, sondern die, die sich daheim einen schönen Tag machen und den deutschen Staat aussaugen wie einen Schwamm. Hier gehört der Hebel angesetzt, aber hier versagen unsere sogenannten Volksvertreter.

4. Kann man die Auswandershows mit dem “real life” vergleichen? Wo liegen die möglichen Fallen?
Die Auswandershows haben nichts mit dem „real life“ zu tun. Wir haben diese Shows angeschaut als wir noch in Deutschland waren und uns doch sehr gewundert, mit welcher „Blauäugigkeit“ manche Leute auswandern. Viele haben wenig oder gar keine Ersparnisse. Viele haben keine Sprachkenntnisse und denken, sie kommen damit zurecht. Sie werden mit Sicherheit scheitern. Es gehört eine sehr gute Vorbereitung zu diesem Schritt. Wir haben uns 2 Jahre auf unsere Auswanderung vorbereitet und nur deswegen hat alles so gut geklappt.

5. Ist das Leben leichter in den Staaten und warum?
Das Leben ist nicht leichter sondern in vielen Dingen einfacher. Zum einen gibt es hier nicht diese Abzocke wie in Deutschland und zum anderen denken die Menschen hier nicht so kompliziert wie die Deutschen. Gehe ich in Deutschland für 100 Euro einkaufen muss ich die Waren im Einkaufskorb suchen.
Gehe ich hier für 100 Dollar einkaufen, muss ich zweimal laufen um das Auto auszuladen. Geschenkt wird einem auch hier nichts. Man muss sich alles hart erarbeiten, aber hier wird Leistung und Fleiß belohnt, wie man an meiner beruflichen Kariere sehen kann. Auch bei Patricia ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Manager ist. Die Vorzeichen von Seiten Ihrer Firma deuten darauf hin. Wenn wir von den Staaten reden meinen wir natürlich immer Arizona und in der Hauptsache die Gegend in der wir leben. In anderen Staaten der USA kann alles ganz anders sein.

6. Wie ist euer Blick nach fast einem Jahr auf Deutschland, anders als vor eurem Weggang?
Wir haben unseren Schritt bis heute nicht bereut und würden es jederzeit wieder machen. Wie gesagt. Gute Vorbereitung ist alles. Wenn wir lesen oder hören was im Moment in Deutschland mit den Preisen passiert, können wir nur den Kopf schütteln. Hier bestätigt sich was ich in letzter Zeit immer wieder gesagt habe: „Deutschland ist ein Kartenhaus was zusammenfallen wird und ich möchte nicht darunter stehen.“

7. Was soll die Zukunft bringen? Ein Schritt auf Zeit oder das Leben für immer?
Wir können uns aus heutiger Sicht nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurück zu kehren, außer im Urlaub. Nächste Woche werden wir uns die ersten Häuser die zum Verkauf angeboten werden, anschauen.

Reinhardt und Patricia dokumentieren ihr Leben in Chandler/Arizona natürlich zeitgemäß auch im Internet ( Patricias Blog und die Familienseite). Die beiden zeigen uns den guten Weg, Abseits der Kameras und haben mir persönlich mal einen Einblick zwischen die beiden Shows “Goodbye Deutschland” und “Die Rückkehrer” gegeben. Leider bringt das Fernsehen nur die “Quotenbringer”. Also alle denen es leicht gelingt und auch nur bis sie wirklich angekommen sind. Durch Blog und Familienseite kann man nun auch verfolgen, was der Alltag bringt und das man auch in den Staaten arbeiten muss um Geld zu verdienen.
Ich hätte den beiden auch noch 20 Fragen stellen können. Manchmal ärgert mich das schon das meine Kategorie “seven questions to” heißt, aber besser kurz und knackig, als lang[weilig]. Die Schikos freuen sich natürlich auch auf ein volles Gästebuch.

Kurze Hintergrundfakten: Im Jahr 2007 haben 165.000 Menschen die Bundesrepublik verlassen, sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Motiv ist häufig fehlende Arbeit. Klar vorn in der Zielsuche sind die Schweiz (20.000), die USA (14.000) sowie Polen und Österreich (je 10.000).

Thema: Fragen & Zitate | | Kommentare (6) | Autor: twister

Interview mit einer Hure

Mittwoch, 19. September 2007 10:55

7Q2 – 7 Fragen heute an ein ‘streetgirl’ irgendwo in Deutschland …

1. Der Anfang | wie bist du zu dem Job gekommen – Ausbruch aus behüteten Verhältnissen?

Als ich 15 war, habe ich bei einer Freundin immer neue Klamotten gesehen und gemerkt, dass sie reichlich (naja, für Teenager zumindest) Geld hatte, obwohl ihre Familie alles andere als gut situiert war. Ich habe sie mal gefragt und sie hat mir gesagt, wie sie dazu kam. Nämlich auf einem inoffiziellen Strich, wo sich Mädchen nach der Schule etwas das Taschengeld aufbessern.Sie sagte mir, ich soll das auch mal machen, aber ich hatte Hemmungen. Ein Jahr lang, dann hab ich mich durchgerungen und es wirklich probiert. Ein Ausbruch war das nicht, aber der Reiz des Verruchten und Verbotenen.Ich habe es dann gelegentlich wiederholt, aber nicht oft und vor allem nicht regelmässig. Erst als mein damaliger Freund herausfand, was ich tue, wurde es anders. Er war sofort Feuer und Flamme und erzählte mir, wie locker und cool ich sei. Und das er damit klarkommt und nicht eifersüchtig ist, wenn ich es für uns beide tue und wie das Geld teilen. Und dann manipulierte er mich ziemlich geschickt und meine Naivität half ihm. Ich ging öfter hin und nach einigen Wochen ließ ich mich von ihm auf den regulären Straßenstrich schicken. Das Geld lieferte ich ihm ab, weil er mir erklärte, dass ich kaum zuhause mit soviel Kohle ankommen könnte und er es lieber anlegt, damit wir was davon haben. Ich war schon ein wenig misstrauisch, weil er mich schließlich täglich anschaffen schicken wollte und der große Knall kam kurz darauf, als ich ihn mit einer anderen sah – finanziert und eingekleidet von meinem Geld. So hatte ich mir die Geldanlage nicht vorgestellt und hab Schluss gemacht. Gewaltfrei, aber das Geld war mit ihm weg. Seitdem arbeite ich nur auf eigene Rechnung und bin gut damit gefahren.

2. Der Alltag | Wie läuft der Tag einer Hure ab – Alltagsgefangenschaft oder große Freiheit?

Recht frei, dank einiger glücklicher Umstände. Der wichtigste ist, dass ich eine Handvoll von gutsituierten Stammkunden habe, die mir eine gewisse Grundsicherung garantieren. Aber das erlaubt mir nicht, faul in den Tag hineinzuleben. Wenn ich mal 2 Tage nicht arbeiten gehe, geht das. Wenn ich 3 oder 4 Tage nichts tue, dann muss ich mich hinterher schon anstrengen, um das wieder auszugleichen.
Und es gibt auch eine unangenehme Form der Flexibilität. Wenn wirklich mal ein paar Tage lang nicht viel läuft, dann muss ich es mir später gut überlegen, ob ich einen unangenehmen Kunden wirklich wegschicke oder ob ich mich nicht etwas tiefer als sonst runterhandeln lasse. Mein Leben sonst sieht nicht wahnsinnig anders aus als bei anderen Frauen. Ich habe einen größeren Bedarf an Kondomen, Dessous und dergleichen und zucke weniger oft zusammen, wenn ich nackt aus der Dusche komme und jemand mich von der Straße aus sehen kann. Aber sonst schaue ich fern, habe zwei Vögel, eine Mitbewohnerin, die in einem Supermarkt an der Kasse sitzt und gehe in Kino, Disco und gern auch mal ins Theater.

3. Der Spaßfaktor | Gibt es auch Vergnügen oder steht der Zweck des Geldverdienens klar im Fokus?

Klar gibt es Vergnügen, aber die Konkurrenz ist groß und alle müssen leben. Deshalb steht das Geldverdienen immer im Vordergrund und im Zweifel sollte man nicht mit Solidarität untereinander rechnen.

4. Die Angst | Welche Rolle spielt sie in deinem täglichen Tun – beherrscht sie dich oder du sie?

Ich beherrsche sie, sonst könnte ich das nicht tun. Potentiell gehe ich immer ein Risiko ein – in jedem Auto kann man mich abstechen, hinter jeder Hoteltür brutal foltern, in jedem Hauseingang kann jemand sein, der es auf mich abgesehen hat. Dazu kommen Dinge, die weniger dramatisch, aber trotzdem gefährlich sind, etwa ein geplatztes Kondom. Ich bin ständig wachsam, aber ich passe auf, nicht paranoid zu werden.

5. Die Ausnahme | Kam es schon das du ‘Klienten’ ihre Rechnung erlassen hast und sich vielleicht Freundschaften oder Beziehungen ergeben haben?

Es gibt einen Stammkunden, den ich fast seit Beginn besuche und dem ich einiges verdanke. Bei dem schaue ich nicht mehr auf die Uhr und verzichte auch auf Absprachen, was Dienstleistungen und Bezahlung angeht. Er gibt mir hinterher etwas und ich zähle nicht nach. Und ich mache gewiss keinen Verlust. Aber das ist die Ausnahme. Freundschaft kann ich es nicht nennen, aber wir gehen sehr freundschaflich miteinander um und zu den Festtagen gibt es kleine Präsente. Beidseitig.
Das Geld erlassen habe ich einmal. Auf der Straße hatte ich einen Freier, mit dem ich eine Standardnummer im Auto machte. Zwei Stunden später kam er wieder, sehr kleinlaut und stotternd, gemeinsam mit einem Mädchen. Sie waren beide nicht sehr alt, vielleicht 19 oder 20. Es stellte sich heraus, dass er seine letzten 40 Euro in mich investiert hatte, im Vertrauen darauf, dass sie noch genug Geld hatte. War aber nicht so und noch einiges an Monat übrig. Immerhin hat er ihr die Wahrheit gebeichtet und sie hat gesagt, zeig mir die Frau, mit der Du unser letztes Geld verfickst.
Er tat mir nicht leid, aber sie umso mehr. Deshalb habe ich ihr das Geld gegeben, mir aber versprechen lassen, dass er keinen Cent davon in die Hand bekommt. Zwei Wochen später stand er wieder vor mir. Ich machte mich schon bereit, ihm einen moralischen Vortrag zu halten (eine sehr skurrile Situation, zugegeben, aber naja). Aber er wollte nichts von mir, sondern drückte mir einen 50er in die Hand und sagte, er musste seiner Freundin versprechen, mir das zu geben, sonst hätte sie Schluss gemacht mit ihm. Und hat gedroht, bei mir nachzufragen. Hat sie nicht getan, aber gewirkt hat es wohl.

6. Das Milieu | Drogen,Mafia,Bandenkrieg – Alles Film oder Wirklichkeit?

Ja. Nein. Beides. Es gibt den Drogenstrich, es gibt 13jährige, die sich für ein paar Euro anbieten, es gibt Zuhälter, es gibt Gewalt. Aber nicht nur. Es gibt auch den Alltag und ganz normale Hausfrauen und Studentinnen, die sich ihr Budget aufbessern und gar nicht unglücklich sind damit. Und auch der Zuhälter ist nicht mehr unbedingt der klassische Schläger sondern oft ein Partner, der den Haushalt schmeisst, Kinder hütet, die Frau chauffiert und sie beschützt. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.

7. Das Ende | Wie lange willst du noch als Hure arbeiten und was kommt danach?

Ich plane bis Mitte 30, also etwa noch 10 Jahre. Bis dahin möchte ich mir noch etwas ansparen und ein Studium absolvieren. Was, das habe ich noch nicht entschieden, aber sicher etwas, was ich als berufliche Grundlage nutzen kann.

Das Blog!

Streetgirl bloggt auf der twoday.net Plattform unter streetgirl.twoday.net und schreibt dort seit kurzem was sie erlebt, wie es Mitstreitern ergeht und erklärt den Alltag eines ‚Streetgirls’. Was das Blog von anderen unterscheidet ist, dass Streetgirl auf die vielen Fragen von Menschen eingeht, die sich für den Menschen hinter der Dienstleistung interessieren –> www.streetgirl.twoday.net

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