7Q2: Jürgen Schmidt about x-Mas
Dienstag, 22. Dezember 2009 10:41
Jürgen Schmidt, 1966 geboren und nach der Schule erst eine Karriere als Banker angestrebt bevor er zur Theologie wechselte. Nach 7 Jahren in Peru als Lehrer an einer Indianerschule verfasste er ein Buch über seine Zeit in Südamerika und hat passend zur Jahreszeit sein zweites Buch bei Dooks on Demand “Weihnachten ohne Jesus” veröffentlicht.
1. Begonnen im Bundesliga-Kapitalismus Bankbusiness, wieso kam der Wandel vom Bankkaufmann zum Streetworker?
Der Wandel kam einerseits durch eine Lebenswende, als ich 1987 eine bewusste Entscheidung traf, Jesus Christus nachzufolgen. Allerdings erfolgte der Weggang vom Bankgeschäft nicht ganz freiwillig. Ich war gerne Banker, vor allem gerne Berater. Allerdings gab es Anfang der 90er Jahre bei der Großbank, bei der ich tätig war, eine starke Veränderung vom Berater zum Verkäufer, mit Zielvorgaben und all den Sachen. Ich verkaufe gerne, wenn das Produkt gut ist… Nun, ich wollte raus aus dem Verkauf und es kam das Gespräch auf meine Motive. Man bewunderte zwar meine Ideale, meinte aber, es wäre besser, wenn ich mir einen anderen Job suchen würde… Rückblickend gesehen war es das Beste, was mir passieren konnte!
2. 1998 nach Peru ausgewandert. Wieso ausgerechnet Peru? Und wie kamst du an die Indianerschule?
Im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung absolvierte ich eine theologische Ausbildung an einer freien Fachschule für Theologie und Mission. Eigentlich dachte ich nie daran, selbst Missionar zu werden, sondern hier in Deutschland zu arbeiten. Während der Ausbildung kam ich aber mit mehreren Missionswerken in Kontakt, die Bibelschullehrer in anderen Ländern suchten. Das sprach mich an. Peru war eigentlich gar nicht im Blick und mit Urwaldindianern konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Wir selbst hätten uns vermutlich Afrika ausgesucht. Da wir davon überzeugt sind, dass Gott ein lebendiger Gott ist, der auch heute noch redet, suchten meine Frau und ich einfach im Gebet Gottes Führung und kamen so nach Peru in die Bibelschularbeit unter Indianern.
3. Bibelschulung für Amerikas Ureinwohner? Der Kreuzzug im 21. Jahrhundert?
Das glaube ich nicht! Wer so denkt, sollte am Besten die Indianer und die Indianerkirchen selbst fragen, wie sie darüber denken. Mein Anliegen ist es, dass Indianer in ihrer kulturellen Identität gestärkt werden und selbständige Indianerkirchen aufbauen. Daher betrachte ich die Ausbildung einheimischer Pastoren als beste Investition, um dieses Ziel zu erreichen. Außerdem ist der Glaube immer eine freiwillige Angelegenheit, denn sonst ist er nicht echt, sondern nur aufgesetzt. Und so ein Fundament kann nicht tragen, bzw. führt zu Synkretismus (wofür es leider viele Negativbeispiele in der Kirchengeschichte gibt). Wir sollen und können Menschen nicht “christianisieren”, aber aufgrund von Jesu Auftrag sollen wir ihnen das Evangelium verkündigen und ihnen die Entscheidung überlassen, ob sie es annehmen wollen oder nicht.
Wer mehr über die Evangelischen Indianerkirchen im peruanischen Amazonasgebiet wissen möchte, der kann ja mal auf die Seite des Dachverbandes der Indianerkirchen www.faienap.org schauen und sich informieren. Eine direkte Kontaktaufnahme ist natürlich jederzeit auch möglich.
4. Wieso die Wiederkehr nach Deutschland nach 7 Jahren?
Das hatte vor allem mit unserer persönlichen Situation zu tun, denn meine Frau und ich standen kurz vor einem Burnout, und es war erforderlich die Notbremse zu ziehen. Allerdings sind wir immer noch sehr mit Peru verbunden und ich arbeite (auf ausdrücklichen Wunsch der Indianer) weiterhin für den Dachverband der Indianerkirchen.
5. Wie bewertest du das “Weihnachtsgeschäft” und wie die Menschen es feiern als Theologe? A) Egal hauptsache die Leute feiern das Fest und gehen mal in die Kirche oder B) Nein, das gefällt mir nicht. Weniger feiern aka Öffentlichkeit wäre mir lieber, wenn sie dafür mehr im Sinne des Weihnachtsfestes wäre
Grundsätzlich verstehe ich, dass die Einnahmen des Einzelhandels stark vom Weihnachtsgeschäft abhängen und man in dieser Zeit natürlich versucht möglichst viel Umsatz zu machen. Und ein Fest, an dem man sich beschenkt und auf diese Weise bewusst Zuneigung und Liebe ausdrücken kann, ist sicherlich etwas sehr Gutes. Ich finde aber es reicht vollkommen aus, erst am 1. Advent mit dem Weihnachtsgeschäft zu beginnen. Brauchen wir denn wirklich schon Ende September erste Weihnachtsleckereien???
Was ich an der ganzen Sache aber voll krass finde, ist, dass der Ursprung und eigentliche Grund, warum Weihnachten gefeiert wird, dabei schlichtweg auf der Strecke bleibt. Man feiert eigentlich ein “Geburtstagsfest”, das Geburtstagskind ist aber (in vielen Fällen) nicht dazu eingeladen! Weihnachten ist natürlich eine sehr gute Gelegenheit, um überhaupt darüber nachzudenken, wie es um das Verhältnis des Einzelnen zu Gott bestellt ist. Mit einem Kirchenbesuch ist es aber sicher nicht getan, denn Gott möchte unser Leben von Grund auf verändern und auf den Kopf stellen!
Man feiert eigentlich ein “Geburtstagsfest”, das Geburtstagskind ist aber (in vielen Fällen) nicht dazu eingeladen!
6. 3 Dinge du du an Weihnachten ändern würdest?
Erstens: Die Kirchen sollten sich bei den Weihnachtsmärkten und in den Einkaufsstraßen mehr um die aktive Verbreitung des Evangeliums bemühen. Leider ist da alles andere präsent, aber nicht die Kirchen. Und wenn die Kirchen präsent sind, dann verkaufen sie meist irgendetwas um Einnahmen zu erzielen, anstatt die beste Nachricht aller Zeiten unter die Leute zu bringen.
Zweitens: Die Kirchen sollten die Chance nutzen, dass an Weihnachten auch viele Menschen die Gottesdienste besuchen, die sonst das ganze Jahr über nicht kommen. Dabei sollten sie das Evangelium klar und auf eine für die heutigen Menschen verständliche Sprache verkündigen. Es geht da ja nicht nur darum, was vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen ist, sondern vor allem auch darum zu vermitteln, was das mit uns heute zu tun hat. Ich sehe hier leider ein großes Defizit und Versäumnis der Kirchen.
Drittens: Jeder sollte die Freiheit haben und sich die Freiheit nehmen Weihnachten zu feiern oder auch nicht. Ich würde mir wünschen, dass man oder Frau weniger im Strom der Tradition mitschwimmt. Es ist ehrlicher Weihnachten ausfallen zu lassen, als eine gute Tradition ihres Ursprungs und Sinns zu entleeren und zu einer überkommenen Tradition verkommen zu lassen.
7. Hat die Kirche den Weihnachtsmann schon adoptiert? Ist ja eine Coca Cola Erfindung!
Ich befürchte, dass das zumindest teilweise schon geschehen ist, wenn auch eher unbewusst.
Bücher bei BOD
Weihnachten ohne Jesus | Begegnungen in Peru
*Das Interview ist keine Wertung oder Werbung für oder gegen die evangelische Kirche. Es spiegelt lediglich eine Meinung eines Einzelnen wider.
Thema: Fragen & Zitate |
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Autor: twister
