das wird ein anderer 23.Juli 2008
Dienstag, 22. Juli 2008 20:07
Morgen ist mein letzter Tag. Heute schon mal mit den Jungs entsprechend Abschied genommen, was mir viel lieber ist als mit Frauen Abschied zu nehmen. Die kleben einem dann immer am Hals, drücken einen und wünschen einem alles Gute. Sie wollen Sekt und wissen was wird und wo man hingeht. Bei Männer-Abschieden wird gelacht, da wird Bier getrunken und man macht Späße. Keine Sentimentalitäten oder fragenden Blicke. Gemäß §1: Ein Mann ein Wort(!) schritten wir an den heiligen Würfel der da Bierkasten heißt.
Fünfeinhalb Jahre teilweise 16-17 Stunden zusammen gearbeitet, das macht nicht abhängig, aber es verbindet an der ein oder anderen Stelle in dieser doch langen Zeitleiste die man zusammen gestaltet hat. Ich bin nicht traurig oder betrübt weil ein Kapitel zu Ende geht. Nein, es war mein Schritt und irgendwann ist es immer zu Ende. Die Kollegen können nur bedingt was für Missstände der Chefetage. Aber soll man dem kleinen Mann vorwerfen seinem Chef keine, so wie es rechtlich einwandfrei wäre, Abmahnung über Missstände zu schreiben? Sicherlich nicht! Am Ende kämpft jeder seinen Krieg und trifft seine Entscheidung. Auch in der Gemeinschaft, runtergebrochen wird es immer auf die eigene Person zum Schluss. Der 23.Juli 2008 wird für mich das Ende eines Kapitels, aber auch der Anfang eines neuen Kapitels. Auch wenn ich morgen sicherlich noch viel erklären muss [Frauen wollen ja immer so viel reden], ich werde ihn als einen Tag in Erinnerung behalten der nicht alltäglich war, aber dennoch dazu gehörte. Wie viele gemeine Emails habe ich in meinen Gedanken als “letzte Mail” verfasst. Wie viel unschöne Aktionen sind als die letztmögliche Aktion vor der Kündigung so in den 5 1/2 Jahren durch meinen Kopf gewandert? Ach ich sag euch, es waren eine Menge. Eine Menge Sachen unter einem immensen Druck. Jetzt wo der Druck abfällt, fallen auch die Aktionen in den geistigen Mülleimer. Froh den Schritt gemacht zu haben, noch nicht wirklich begreifend das man die “Kollegen” morgen zum letzten Mal sieht, aber immer mit einem Lächeln der Leichtigkeit im Gesicht wird der morgige Mittwoch ein Mittwoch von denen ich in ein paar Jahren meinen Kindern und in späteren Jahren meinen Enkeln erzählen werde, vom 23.Juli 2008. Dem Tag an dem ich die Firma verlassen habe. Freiwillig, ohne Zwang und ohne Drohungen. Ab hier wachsen zwei Straßen weiter. Die eine geht nach oben und die andere nach unten. Auf welcher ich gehen werde, das kann ich heute noch nicht sagen. Es wäre doch schlimm heute schon das “Morgen” zu kennen! Ich freu mich jedenfalls schon mal auf das “Neu” und die Aufgaben die da kommen. Eins weiß ich nur genau. Eigentlich sollte ich Panik schieben, gekündigt – ohne Job – ohne Geld. Aber seit dem Schritt fühle ich mich 10 Kilo leichter. Vielleicht ein Zeichen, dass meine Generation sich auch in diesem Punkt vom alten Deutsch abgewandt hat.
Thema: offKleeche, tiefgang |
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Autor: twister
